Erster Unitag
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Ui, ui, ui, man könnte sagen, dass ich heute durchaus einen gespaltenen Eindruck von den Lehrveranstaltungen hier gewonnen habe. Heute Morgen war ich in Lingua Tedesca III, also quasi einem Deutschkurs für die Italiener, an dem allerdings auch eine Übersetzung Italienisch-Deutsch hängt, bei der wir deutschen Studenten mitmachen dürfen (ab jetzt immer montags). Das war noch sehr erquicklich, besonders, da die Dozentin eine Deutsch ist. Danach war ich in Letteratura Italiana Contemporanea, einem Kurs über jüdische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in Italien. Das war sehr interessant und die Dozentin spricht zwar leise, aber verständlich. Das zu lesende Programm ist allerdings (besonders für uns Ausländer) kaum zu schaffen. Im November gibt es da eine Kurspause, in der jeder ein Paper schreiben muss. Diese Zwischenprüfungen finden die hier ganz toll. Als letztes habe ich noch Modelle der Lyrik des 19. Jh besucht. Da habe ich fast nix verstanden, werde mich da aber auch nur als Deko hinsetzen und keine Prüfung machen, von daher ist das nicht so schlimm. Der Dozent ist so ein richtiger Prof aus dem Buche, bis auf dass er mit Sonnenbrille aufgetreten ist, da er scheinbar ein Augenproblem hat… Naja, morgen fällt diese Veranstaltung erstmal aus und ich kann wider Erwarten etwas länger schafen, sehr gut! Um euch die Organisation der Lehrveranstaltungen etwas näher zu bringen: Man hat die Kurs meist dreimal die Woche zwei Stunden lang, dafür gibt es hier eigentlich keine Semester, sondern es wird in Quartalen abgewickelt. So wäre das ja auch alles noch gerecht verteilt, aber da die meisten Kurse über zwei Quartale gehen, hat man im Vergleich zum Deutschen System viel mehr Stunden, kriegt aber weniger Credit Points. Und das geht mir auf die Nerven. Außerdem hat man eben die Zwischenprüfungen und am Schluss eigentlich eine mündliche Prüfung, aber die kann man in Teilen auch in eine schriftliche umwandeln, die dann in Deutschland anerkannt wird.
Im Großen und Ganzen muss ich also sagen, dass mir das deutsche System besser gefällt, aber jetzt muss ich mich mal für ein Jahr an etwas anderes gewöhnen, das werde ich wohl irgendwie hinkriegen. Richtig doof ist aber, dass sich ständig Kurse überschneiden, da man ja jeweils drei Blöcke hat. Sehr schwierig…
Jetzt zum letzten Wochenende: Am Samstag habe ich mich abends mit Laura an der Piazza Mateotti getroffen. Ich war etwas zu früh da und bin in die Meute der Seneser Stadtjugend geraten, die sich da scheinbar jedes Wochenende die Beine in den Bauch steht, bevor es auf in die Partynacht geht. Der ganze Platz war voller halbwüchsiger Italiener, da kann man ja schonmal etwas Angst bekommen. Als Laura kam, sind wir schnell Richtung Campo abgedüst, um zum Cinema Nuova Pendola zu gelangen, wo wir “La mia super ex-ragazza” schauen wollten. Zwischendurch sind wir in eine Truppe Weihnachtsmänner aus der Contrada des Panthers gestolpert, die an dem Tag ihren Palio-Sieg vom Juli nochmal gefeirt hat. Und da man scheinbar bis Weihnachten das Recht hat, zu feiern, sagt man zu den Verlierern, dass für sie heute schon Weihnachten ist, und rennt deshalb mal eben im Kostüm rum.
Der Film war ein Teil des Seneser Filmfestivals und deshalb umsonst, sehr praktisch! Allerdings war er doch nicht mit Untertiteln, sondern komplett in Italienisch. Aber vom Verständnis her war es trotzdem gut zu machen, da die Italiener bei synchronisierten Filmen ja keine Chance haben, schnell zu sprechen, sondern sich der Originalsprache anpassen müssen.
Außerdem war die Story sehr flach, es geht um einen Typen in New York, der sich in eine Frau verliebt, die zufällig das weibliche Pendant zu Superman ist, G Girl, und ständig die Welt retten muss. Es war also sehr amüsant.
Später sind wir noch kurz auf Contraden-Fest der Selva-Leute (Wald) gegangen. Das war echt der Hammer. Die Selva-Contrada hat im August den Palio gewonnen und hat deshalb auch nochmal gefeiert. Dazu war das komplette Viertel abgesperrt und in einen riesiegen Jahrmarkt bzw. Hexenkessel umgestaltet, jeder der Bewohner hat irgendein Rolle und die meisten sind wild kostümiert, so dass Laura und ich irgendwann von einem besoffenen Oktopus überfallen und niedergekitzelt wurden. Die spinnen doch alle hier! Man konnte jedenfalls kaum laufen, weil die Gassen komplett überfüllt waren, so haben wir uns da etwas durchgeschoben und irgendeinen Ausgang gesucht, aber das war eher schwierig. Schließlich haben wir doch irgendwo eine offene Straße gefunden und kamen dann bei ganz vielen Rolltreppen raus, die ich auch noch nicht kannte. Da fährt man mitten in der Stadt irgendwo meterweit runter, unglaublich! Nachdem wir also einen kleinen Umweg machen mussten, bin ich irgendwann erschöpft in den Nachtbus gefallen und nach Hause gefahren.
Am Sonntag habe ich mich auf die Uni hier vorbereitet, nochmal alle Kurs abgecheckt und so. Das Internet ging mal wieder nicht, so langsam wird das hier wirklich unzuverlässig!
Irgendwann habe ich mir was zu essen gemacht und bin dann wieder in die Stadt gefahren, wo das Selva-Fest noch weiterging. Giulias Tochter hat ein Pferd, dass 2000 den Palio gewonnen hat und das wurde mit den zwei Gewinnerpferden von 2003 und 2006 nochmal ausgestellt. Ihr merkt, die Selva-Contrada hat’s drauf! Und mein Zuhause steht auch ganz in ihrem Zeichen, da Giulia daher stammt. Jedenfalls war Giulia dann auch da auf dem Domplatz und hat ihre Enkel beaufsichtigt, während sich Tochter und Schwiegersohn um das Pferd bemüht haben. Die beiden kleinen Mädels sind ganz schöne Rotzgören, vor allem die Kleine. Nur am Rumtoben, am besten noch unter dem Pferd, und am Spucken. Voll abgedreht. Die Selva-Leute haben dann einen Umzug gestartet, mit dem gewonnenen Preis und den Pferden und Fahnen und Trommeln vorne weg und dann alle hinterher. Wir sind dann schonmal auf den Campo gegangen, um das Spektakel dort zu erwarten. Inzwischen habe ich mich aber auch schon wieder mit einer anderen Gruppe zum Kino getroffen, aber den Umzug auf dem Campo haben wir noch kurz miterlebt. Kampfgesänge und Getrommel unter den staunenden Touristenaugen, ein Traum! Am späteren Abend gabs dann für die geladenen Gäste noch ein Festessen um den Dom rum an meterlangen Tafeln, das hat alles etwas von Mittelalter, sehr spannend.
Wir deutschen und österreichischen Studenten sind dann jedenfalls ins Cinema Fiamma geflüchtet und haben “Il Profumo - Das Parfüm” geschaut. Auch das war gut zu verstehen und schaurig-schön. Danach bin ich dann sofort mit Evelin zum Bus gelaufen, da wir schnell nach Hause wollten. Tobias kam dann auch noch dazu, aber die beiden wohnen im Studentenwohnheim San Benedetto, das auf der Nachtbus-Strecke viel früher als Vico Alto kommt, und so war unser gemeinsamer Weg leider sehr kurz. Aber gut, ich bin es ja inzwischen gewohnt, fast als letzte auszusteigen und inzwischen habe ich auch schon alle späten Busse mal ausprobiert und bin jedes mal heile hier angekommen.
Zum Busfahren hier kann ich noch ein paar Takte sagen. Hier im Bergdorf fahren nur kleine Busse (wobei hier alle Busse liebevoll “Pullman” genannt werden) und gefahren wird generell ohne Rücksicht auf Verluste, typisch italienisch eben. Kurz bevor man auf die große Hauptstraße kommt, die zum Bahnhof führt, muss man ziemlich steil den Berg runter und dann noch um ein paar Kurven, um schließlich auf dem Bahndamm-Überführungs-Brückchen entweder erstmal eine Vollbremsung hinzulegen, da plötzlich der Bus aus der Gegenrichting oder ein anderes Auto kommt (was ja nun wirklich nicht vorhersehbar ist, ähem…) oder einfach nur kurz den Magen umgedreht zu bekommen, da da irgendeine fiese Schwelle ist. Kirmesfeeling für einen Sekundenbruchteil, juchu! In die andere Richtung passiert genau das Gleiche, da kommt eben erst Kirmes und dann Kurve mit Steigung und wenn man dann rückwärts im Bus sitzt, macht das Ganze doppelt Spaß. Die Nachbusse fahren nochmal krasser und legen sich auch mal schräg in die Kreisverkehre, da hilft oft nur noch beten. Aber bisher hat’s ja alles geklappt und ich lebe noch!
Sodele, jetzt reicht es mal für heute. Morgen Vormittag werde ich dann mal mein ganzes Material für die Uni besorgen. Die Bücher werden wieder schön teuer, ich freu mich! Macht es gut und grüßt mir Deutschland! A presto!
am 3. Oktober 2006 um 12:20 Uhr.
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So mein Minchen, ein köstlicher Fest-Pferde-Kino-Uni-Bus Bericht! Wir sind bei bewölktem Wetter in BL und finden Familie schön. Alle lassen Dich herzlich grüßen, Paket ist auf dem Weg. Hier ist Feiertag, vielleicht kannst Du mal anrufen? Kuß und mach weiter so Mami
am 3. Oktober 2006 um 17:08 Uhr.
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hi chrille, da wird mir ja vom lesen schon schlecht….börks…machs jut… *ich vertrau mal in mein fahrrad
am 4. Oktober 2006 um 16:20 Uhr.
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Das erinnert mich ein bisschen an die steile Straße in Erquy…
Lieben Gruß