Uuuuuuuupsiiiiiii…lang ist’s her… (1/2)
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Liebe Ponti-Freunde! An erster Stelle mal wieder ein „Tschuldigung“ aus Herzenstiefe… ich habe Euch lange, sehr lange auf einen neuen Bericht warten lassen, aber ich war auch schwer in Action. Turin, Umzug, Besuch von Juliane und der übliche Freizeitstress, den man als anständige Erasmus-Studentin so hat. Ihr möget mir vergeben! Dafür gibt es jetzt die geballte Ladung Infos. Es sind auch neue Fotos online, es fehlen nur noch die vom neuen Zimmer, die kommen in den nächsten Tagen. Ein besonderes Augenmerk dürft Ihr bitte auf den abfotografierten Text bei den Turin-Fotos richten. Die Tragödie der abgestürzten Turiner Fußball-Mannschaft in einer der Ernsthaftigkeit des Geschehens spottenden deutschen Übersetzung. Man möchte es nicht glauben…
So, dann mal los:
Ostern habe ich weitgehend in Siena verbracht. Karfreitag ist hier noch nicht mal ein Feiertag, das sei jetzt mal so dahin gestellt. Ostersonntag hat mich dann die Sehnsucht nach ein bisschen Kirche vormittags in den Dom getrieben. Anstatt mit erfülltem Herzen sämtlichen Klängen lauschen zu können, saß ich mit schmerzverzerrtem Gesicht ob der grausamen Kirchenmusik da und wollte eigentlich lieber weinen. Vor allem bei dem Gedanken, dass zeitgleich in St. Ludwig, Berlin eine feierliche Orchestermesse musiziert wird. An dieser Stelle danke ich meinem Vater, dass er mir solche Misstöne mein Leben lang erspart hat und ich von zu Hause aus schöne Musik zu solchen Anlässen gewohnt bin!!! Der Organist kann für einen Domorganisten erschreckend wenig und der 15-köpfige Chor kann in dieser riesigen Kathedrale nicht viel ausrichten, selbst wenn er wollte. Die Messe an sich war auch durchaus bescheiden und es verwundert im Grunde nicht, dass der Bischof grade noch ein „Frohe Ostern“ hinter den Friedensgruß hauchen konnte, bevor die Herde der Gläubigen auch schon wieder draußen war. Nein, hier wird nicht gewartet, bis die Hohe Geistlichkeit draußen ist, hier trampelt das Fußvolk zuerst raus.
Den Rest des Tages habe ich dann mit Koffer und Kartons packen für den Umzug verbracht. Auch nicht sehr österlich, aber das musste dann sein. Ach ja, meine Busse nach Vico Alto waren an dem Tag natürlich gestrichen. Auf dem Hinweg zum Dom habe ich mich schon gewundert, warum auf einmal die 3 bei uns fährt. Als auf dem Rückweg kein Bus kommen wollte, habe ich mal gewagt, vorsichtig das laminierte, aber umgedrehte Schild an der Haltestelle zu studieren. Daraus ging dann hervor, dass eben nur die 3 nach Vico Alto umgeleitet wird und sonst nichts fährt. Großartig! In Vico Alto stand davon nämlich gar nicht dran… Italien!!!!!!!!!!!!! Die Touristen ringsrum waren noch aufgeschmissener als ich und ich habe im österlichen Geist halbwegs lächelnd über alles hinweg gesehen.
Montag früh bin ich dann nach Turin zu Mira, meiner Italienisch-Kommilitonin aus Berlin, aufgebrochen. Erst habe ich einen Bus nach Mailand genommen, wo ich mit Franz aus Berlin 5 nette Stunden verbracht habe und einige der Hauptattraktionen und schönen Stellen der Stadt im Schnelldurchlauf begutachten konnte: Das Schloss mit Park, den Dom, die Scala, einige Stadtviertel mit Fluß und die U-Bahn. Am späten Nachmittag bin ich dann mit dem Zug weiter nach Turin gefahren, wo mich Mira eigentlich schon erwarten wollte. Doch dummerweise war sie den ganzen Tag mit Italienern im Umland unterwegs, die sich nichts daraus gemacht haben, dass ich am Bahnhof rumsaß. Nach 1 ½ Stunden kamen sie schließlich an und haben mich kleines Tinchen in der fremden Stadt aufgesammelt. Abends gab es ein leckeres Essen, weil eine andere Kommilitonin von uns am nächsten Tag bereits nach Berlin zurückflog, da Kurse an der Uni sie dazu zwangen. Später waren wir mit der ganzen Mannschaft dann noch Coctails trinken.
Am nächsten Tag hat mir Mira Turin gezeigt. Letztes Jahr auf der Reise mit Mama hatte ich einen schlechten Eindruck von der Stadt, da es unsere letzte Station war, total heiß und voller Baustellen wegen Olympia und ich einfach keine Lust und Kraft mehr hatte, irgendetwas toll zu finden. Das habe ich jetzt aber nachgeholt und muss sagen, dass mir die Stadt sehr gefällt. Überall diese Säulengänge und der Po mitten in der Stadt und schöne Häuser und überhaupt. Die Luft ist jetzt vielleicht nicht die beste, aber im April ist das noch auszuhalten. Schade war nur, dass man die Bergketten hinter der Stadt die ganzen drei Tage lange nicht sehen konnte, da es neblig war. Der Eindruck fehlt mir jetzt also. Wir sind sehr gemütlich durch die Gegend spaziert, haben erzählt und geguckt und waren schließlich mit Dina, einer anderen Deutschen noch Kaffee trinken. Abends haben Mira und ich uns „Das Leben der anderen“ angeschaut, da wir ihn beide noch nicht kannten. Auf Italienisch mag das jetzt etwas komisch sein, aber wenn er nun mal grade hier rausgekommen ist, kann man das ja mal machen. Wir zwei Deutschen saßen als letzte noch auf unseren Plätzen und haben uns über die Vergangenheit gewundert, während alle anderen schon rausspaziert waren. Später sind wir dann mit Dina ins „Gianluca“ direkt am Po tanzen gegangen. Ja, ich dachte, ich probier das noch mal mit mir und Disse, aber naja. Ist nicht so meins… Dass wir dann um 3 „schon“ zu Hause waren, war aber nicht so schlecht, da ja noch ein weiterer Turin-Tag vor uns lag.
Mal ein kleiner Einwurf: Miras Wohnung ist toll! Sie wohnt mit drei Italienern (2w/1m) zusammen und alle haben riesige Zimmer. Die Küche ist auch schön groß und modern und das Bad absolut schimmelfrei und mit echter Duschwanne mit Glaswänden und so. Das ist dann doch ein etwas anderer Standard als hier bei uns in der Provinz…
Am Mittwoch sind wir dann zur Superga gefahren, die Grabkirche der Savoia auf einem Berg. Wir haben durch Zufall eine Führung erwischt und haben uns die Gräber anschauen können, was sehr interessant war. Bergab konnten wir dann die alte Zahnradbahn nehmen, die in der Mittagszeit nicht hochgefahren war. Zuckel, zuckel durch die Natur… Sehr deutsch haben wir wenig später unseren mitgeführten Nudelsalat auf dem Schlossplatz in Turin verspeist, dann wollten wir uns den Königspalast eigentlich auch anschauen. Aber das ging nur mit Führung und die waren schon alle voll. Das war soooo klar! Also haben wir uns noch kurz den Dom mit Grabtuch (in einem riesigen, undurchsichtigen Doppelsarg eingeschlossen) gegeben, bevor wir uns im archäologischen Park zwischen Römer-Ruinen niedergelegt haben und faul waren. Abend haben wir nur ferngesehen und gekocht, da uns am nächsten Morgen um 7 Uhr der Zug nach Florenz erwartete. Mira hat dort eine Freundin für einen Kunstgeschichtler-Trip getroffen und ich bin von da aus nach Siena gefahren. Die ersten zwei Stunden der Reise verliefen sehr ruhig, doch dann stieg ein altes Ehepaar hinzu und dann eine Mutter mit Kind. Die Mutter hat von der erst Sekunde an genervt, das Kind erst nach ca. einer Stunde. Nicht etwa mit „Wann sind wir da?“, nein, mit „Wie viel Uhr ist es?“ und „Wo sind wir?“, also genau andersrum. Aber eigentlich war der Kleine ganz niedlich und bei DER Mutter ist es kein Wunder, dass er ein Nervkopp ist. Jedenfalls hatten wir bald die ganzen Familienstorys und Ernährungsgewohnheiten der Mitreisenden intus. Gut, dass wir uns wenigstens geheim auf Deutsch verständigen konnten. Auffällig war, dass der Mann von dem alten Ehepaar kein Wort sagen durfte, sondern dass Mutti alles geregelt hat. So hatte er Zeit, uns eingehend zu studieren und plötzlich ein „Seid ihr Zwillinge?“ ins Abteil zu werfen. Die Verwirrung war auf beiden Seiten komplett, als Mira erstmal mit ja antwortete, da sie statt „gemelli“ „della Germania“ verstanden hatte, also, ob wir Deutsche wären. Man muss dazu sagen, dass unsere Mitreisenden allesamt Süditaliener und Verständnisschwierigkeiten vorprogrammiert waren. Jedenfalls konnten wir dann klar stellen, dass wir noch nicht einmal verwandt sind und die Nerv-Mama hatte mal wieder das Übliche „Ach, Deutschland gefällt mir gut, da würde ich auch wohnen wollen…“ parat. Wir waren doch sehr froh, als wir den Zug verlassen konnten. Das arme Kind musste aber noch bis abends durchhalten, da sie im Zug bis Süditalien gefahren sind, oje, oje, wie viele Male das noch „Che ore sono?“ und „Dove siamo?“ gegeben haben mag…
In Florenz haben wir dann Miras Freundin aus dem Zug aus Rom in Empfang genommen und ich bin relativ bald nach Siena zurück gefahren. Dort stand erstmal heftiges Wiedersehen mit meinen Freunden an und dummer Weise auch gleich eine Vorlesung.
An den nächsten zwei Tagen bin ich dann Stück für Stück umgezogen, Freitag hat Sara mir einmal geholfen, Samstag Caterina und ein Taxi und das war es dann: Ich habe „Viho Alto“, den Rücken gekehrt, mein „Ausgang aus meiner selbstverschuldeten Unflexibilität“ war endlich vollzogen! Ich bin jetzt echter Zentrumsbewohner und zwar in der Contrada della Selva (=Wald), direkt neben dem Dom. Das ist so ein spitzen Gefühl, kaum auszudrücken. Man läuft einfach los und ist auch schon da und kann sich spontan wo treffen und sich nachts die Kante geben und nach Hause torkeln. Herrlich! Das arme „Birillo-the-Kegel“-Kind fehlt mir natürlich und meine Roberta auch, aber die kommt mich hoffentlich mal nächste Woche hier besuchen. Dass es in der neuen Wohnung auch eine wundersame Internetverbindung gibt, die auch meistens funktioniert, erhöht meine Freude noch. Kinders, is des scheeeeeeee!
Einziger Nachteil ist irgendwas in meinem Zimmer, was leicht die Atemwege reizt oder austrocknet. Ich habe bisher noch nicht rausbekommen, was es ist, bin aber auch bald immun dagegen, scheint mir. Naja, was nicht tötet, härtet ab… Im Zweifel wird es der altbekannte Schimmel in italienischen Buden sein.
Und jetzt fang ich mal nen neuen Artikel an, damit das hier nicht unendlich wird. Bis weiter oben! J