“Laura non c’è, è andata via…“
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Oje, so schnell ist die Zeit vergangen, unglaublich. Heute Mittag habe ich Laura zum Zug gebracht und jetzt ist sie weg (, weg und ich bin wieder allein, allein), so richtig klar ist es mir noch nicht. Ich war heute Morgen noch bei ihr und wir haben zu viel zu früher Stunde Pizza gemampft und alte Limonade getrunken. Dann haben wir uns auf den Weg zum Bahnhof gemacht, sie hat erstaunlich wenig Gepäck gehabt, also ich wäre damit sicher nicht hingekommen. Am Bahnhof stand schon der Zug bereit und wir haben noch etwas gequatscht. Bis zum Schluss konnten wir die Tränen erfolgreich bekämpfen, aber als der Zug dann losgefahren ist, kamen sie mir doch etwas. Aber ich habe mich noch zusammengerissen, bis ich zu Hause war.
Später bin ich noch mal in die Stadt gefahren, um mich mit Tobias zu treffen, da war es schon sehr seltsam, aus dem Bus zu steigen und zu wissen, dass Laura jetzt nicht mehr in der Straße rechts wohnt. Tobi meinte dann auch, dass man meinem Gesicht durchaus ansieht, dass ich traurig bin. Ja, so fühlte es sich auch an… Naja, aber dank Tobi bin ich dann nicht in völlige Deprilaune geraten, sondern wir waren nett im Mensagarten quatschen und noch Kaffeetrinken.
Liebe Laura, vielen Dank noch mal für die tolle Zeit, die ich mit dir verbringen durfte! Siena ohne dich wird sich reichlich anders anfühlen!
Von Kristina haben wir uns auch schon verabschiedet, sie fährt morgen nach Hause, und von Evelin theoretisch auch, aber sie bleibt noch bis Mittwoch mit ihren Eltern in der Stadt, so dass ich sie vielleicht noch einmal sehen werde. Auch den beiden sei noch einmal herzlich gedankt für die Erasmus-Zeit in Siena, wir waren alle zusammen schon ein sehr lustiger Verein.
Laura hat mir ihr eines Handtuch da gelassen, das eh aussortiert werden sollte und somit konnte ich gleich nach meiner Rückkehr vom Bahnhof zur Tat schreiten und den Hund waschen. Es war ein leichter Kampf: Ich habe alles vorbereitet und musste den ja nicht ganz so kleinen Hund dann in den Keller tragen, wo sich mein Bad befindet. Dann habe ich ihn wieder abgesetzt, aber da hat er sofort gecheckt, was los ist, und wollte wieder nach oben rennen. Rennen ging aber nicht, da ihm seine Beinchen ja nicht immer so gehorchen und er generell ja nur „Vorderradantrieb“ hat. Also hat er mühsam versucht, sich die glatte Steintreppe hoch zu schleppen, ist dabei aber immer weggerutscht, meistens mit allen Beinen gleichzeitig, das sah sehr übel aus. Also habe ich ihn halb hochgeschoben und dann mal ein paar ernste Worte mit ihm geredet, dass das so nicht ginge und dass wir das jetzt durchziehen müssten. Giulia ist nämlich dieses Wochenende nicht da und konnte mir nicht dazwischen funken. Erst war Biri etwas misstrauisch, aber so ganz übelgenommen hat er mir die erste Aktion nicht und ich konnte ihn noch mal runter schleppen und habe ihn dann erfolgreich ins Bad geschlürt und in die Dusche gestellt. Er hat die ganze Prozedur sehr geduldig, aber mit versteinerter Miene über sich ergehen lassen. Ich habe ihn mit Hundeshampoo, das ich im Schrank gefunden hatte, eingeseift und ordentlich geduscht, aber geholfen hat es im Endeffekt nicht so richtig, er ist einfach zu verdreckt und verfilzt. Nach dem Abtrocknen und Fönen haben wir noch etwas mit dem Handtuch getobt und dann konnte er die blöde Treppe auf einmal fast schon leitfüßig erklimmen, seltsam. Jedenfalls ist er jetzt etwas sauberer und mag mich trotzdem noch, das ist die Hauptsache. Vorhin war ich mit ihm draußen (Sein kaputtes Halsband hat Roberta vorläufig mit einem abgeschnittenen Gürtel mit einer mit Glitzersteinen besetzten Schnalle ersetzt, herrlich. Schöner wäre es natürlich, wenn man als Hundehalter ein Ersatzhalsband hätte, aber das kann man hier wohl nicht verlangen…) und er hat sich herrlich auf der Wiese gewälzt. Das hat seine Sauberkeit vielleicht nicht unbedingt gefördert, aber sichtlich sein Wohlbefinden, also bitte schön, wenn er meint!
Das neue Semester hat ganz gut begonnen, ich mache wieder beide Übersetzungskurse und dann einen Literaturkurs über Döblin und seine Zeit generell und später kommt noch ein Literaturkurs über das „Decamerone“ von Boccaccio dazu. Mein Tutorium läuft auch weiter und ab nächste Woche habe ich da wohl auch wieder richtig zu tun, nachdem ich jetzt ein paar Mal nur doof rum saß (da ich dafür aber später Geld bekomme, war mir das auch egal).
Die Stadt wimmelt von neuen Erasmus-Studenten, allerdings werden davon nicht alle hier bleiben, sondern sich auf Rest-Italien verteilen. Wer jetzt wirklich fest hier ist, lässt sich wohl erst in ein paar Wochen überblicken. Persönlich kennen gelernt habe ich bisher nur eine, die in einem meiner Kurse ist. Es sind aber grade auch viele Touristen in der Stadt, vor allem auch Schulklassen, so dass noch mehr Verwirrung gestiftet wird.
Das Wetter ist traumhaft, es scheint fast jeden Tag die Sonne und die hat schon ganz schön Kraft, so lässt es sich wohl aushalten! J
Neulich habe ich eklige Tierchen kennen gelernt. Wir hatten einen Kurs und liefen nachher zu dritt einen Weg lang und plötzlich war auf dem Weg eine Art Schlange. Wir haben uns erstmal ordentlich erschrocken, aber beim genaueren Hinschauen war es nicht EIN Tier, sondern ganz viele Raupen in einer Reihe. Das fanden wir dann sehr niedlich und haben uns das Spektakel näher betrachtet, als unsere Dozentin hinzukam und meinte, dass die Viecher voll gefährlich wären. Haustiere könnten von ihrem Gift sterben und Menschen würden zumindest einen fiesen Ausschlag bekommen. Buaaaaah, wie eklig! Danach hat es mich überall gejuckt und auch jetzt noch, wenn ich dran denke.
Bevor jetzt die richtigen Abschiede anstanden, haben wir in der Mädelsclique noch einige Dinge gemeinsam unternommen. Wir waren im Tearoom, noch mal in der Mensa, in Kristinas WG (ein sehr lustiger Lieder- und Gebeteabend, was nicht alles spontan passieren kann…) und wollten letzten Freitag eigentlich ins Nannini zum Aperitivo gehen. Allerdings war in der Nacht davor der Vater von Gianna Nannini 8die krasse Sängerin, die von hier wech kommt…) gestorben und da das Café der Familie gehört, war es leider geschlossen. Gestern Abend konnten wir (Laura, Evelin und ich) das Erlebnis dann aber nachholen und es war echt ganz lecker. Aperitivo ist eine typisch norditalienische Erscheinung, die inzwischen aber auch hier angekommen ist: Man zahlt einen Festpreis und bekommt dafür einen Aperitivo und kann sich so oft am kleinen Buffet bedienen, wie man mag. Schick, schick. Danach muss man dann eigentlich auf die Piste gehen, wir hingegen waren bei McDonald’s und dann noch bei Laura, wo auch eine ihrer sieben Mitbewohnerinnen (Erika) mit ihrem Freund (Sebastiano, sprich auf sizilianisch: Sebaschtiano) war. So mussten wir uns eine von den vielen dämlichen italienischen Fernsehshows anschauen. Worüber die hier lachen können ist echt toll! Einer Sexbombe wird vorgespielt, dass ihre weiblichen Reize einen alten Mann umgebracht haben, super witzig! Und die Moderatorinnen sind quasi nackt und oft auch noch so silikonbeladen an allen möglichen Stellen, dass ihre normalen Körperfunktionen außer Kraft gesetzt werden, pfui gack! Ornella Muti saß während der gesamten Show etwas angewidert auf dem Studio-Sofa und hatte wohl am wenigsten Spaß von allen.
Erika hat neulich von ihrem Freund eine Mini-Wasserschildkröte geschenkt bekommen, die er in einem Plastikbeutel von Sizilien nach hier transportiert hatte. Das arme Tier! Es heißt jetzt Mico und wohnt in einem pinken Plastikschüsselchen mit Wasser, in dessen Mitte eine pinke Plastikinsel hervorragt, auf der eine grüne Plastikpalme steht. Schrecklich! Ich fürchte, Mico wird das nicht lange überleben, zumal er nicht sehr freundlich behandelt wird und Erika gleich am ersten Abend befunden hat, dass er dumm wäre. Oh man, wenn die Italiener wo ganz stark sind, dann ist das Müll produzieren und Tiere quälen… Erika war allerdings auch diejenige, die, als ich ihr einen Elch im Fernsehen zeigte (ja, zu unserem Abschiedsprogramm gehörte unter anderem auch ein ZDF-Abend mit „Inga Lindström“ und dem „Adler“…) und fragte, wie das Tier denn auf Italienisch heißt: „Wildschwein.“ – „Wie Wildschwein? Das ist doch viel größer. Braun, groß und kommt vor allem in Schweden vor.“ – „Esel!“ – „Ähm, nein…“ – „Ach so, Giraffe!!!“. Nein, wieder daneben, liebe Erika! Ich habe dann später im Wörterbuch nachgeschaut, Elch heißt „alce“, also so ähnlich wie auf Deutsch. Die Italiener scheinen aber zu weit weg von Skandinavien zu wohnen und kennen es nicht. Oh mein Gott!!! Der Kracher war echt Giraffe! Vor allem hat sie im Fernsehen ja sehen können, dass es keine war. Aber gut, da Laura nicht mehr da wohnt, müssen wir uns von nun an nicht mehr mit den seltsamen Geschichten aus ihrer Wohnung beschäftigen und auch nicht mehr mit ansehen / -hören, wie sich die Mädels gegenseitig die Beine und Schlimmeres enthaaren, wie sie alle zusammen vor dem Fernsehen mitfiebern, wer bei den dümmsten Shows, wo gibt, rausfliegt, wie sie alles von Plastikgeschirr essen und kurzzeitig die Zimmer tauschen, damit eine von ihnen in Ruhe mit irgendeinem Kerl rumvögeln kann. Alter Schwede, sag ich da noch mal rückblickend!
Zu guter Letzt soll noch die Mitteilung erfolgen, dass unsere Vermieterin neulich zum dritten Mal Oma geworden ist. Silvio heißt das kleine Bürschchen und es ist wohl gesund, obwohl die Mutter die ganze Schwangerschaft über geraucht hat wie doof. Aber Spätfolgen sind da mal nicht auszuschließen… Seine großen Schwestern sind jedenfalls 356 Tage im Jahr krank, die haben immer irgendwas, mindestens eine dicke Erkältung. Das durfte ich dann letzte Woche auch ordentlich genießen, da die beiden Damen für einige Tage hier gewohnt haben, nachdem das Baby geboren war. Ich bin dabei zur unfreiwilligen Babysitterin mutiert, da sie einfach in mein Zimmer gekommen sind und nicht mehr gehen wollten. Die große ist von meinem Laptop begeistert und schreibt unglaublich gerne darauf, während sich die Kleine an meiner Digitalkamera vergriffen hat, die ich ihr aber nach dem ersten Unfall damit entrissen habe, woraufhin sie heulend zur Oma gerannt ist. Die Oma hat ihnen dann das Abendessen in meinem Zimmer serviert, ich dachte, ich flippe aus. Am nächsten Tag lag überall Mais auf dem Boden! Aber Giulia war eben sehr froh, dass sie die kleinen Monster mal los war und hat nichts gegen die Belagerung meines Zimmers getan. Ich habe mich ja auch nicht beschwert, aber etwas seltsam fand ich das Ganze doch. Vor allem war die Kleine superkrank (Fieber und nachts hat sie vor Husten gekotzt…) und die Große fing auch zu husten an. Bisher bin ich aber von den Bazillen verschont geblieben, Gott sei Dank! Naja, jedenfalls haben wir dann bald bestimmt ab und zu den kleinen Silvio zu Gast, der kann ja noch nicht so ein Chaos veranstalten wie die Geschwister, also freu ich mich drauf.
Morgen früh erwartet Roberta und mich ein Frühstück nach deutscher Art in der WG von Johannes, dem neuen Berliner. Wir sind schon sehr gespannt, vor allem auf die Leute, die da so kommen werden.
Dann wollen wir mal hoffen, dass es meinen nach Deutschland zurückkehrenden Mädels nicht allzu weh tut, nicht mehr hier zu sein und mir nicht so sehr und zu lange, dass sie weg sind! Jauchzet, frohlocket! Und um Robertas eben – auf Deutsch!- entstandenes Motto für die nächsten Monate an dieser Stelle noch festzuhalten: „Heiße Träume“ - Wirklichkeit!“ Is’n Insider, aber desto wichtiger für unsere Gesamtsituation! In diesem Sinne bis die Tage!